„Ihr glaubt also, ihr seid hart genug für diese Welt!? Das haben schon viele vor euch gesagt. Seit dem Tag, an dem der Meteoritenhagel auf die Erde niederging, der unser aller Leben gründlich versaut hat. Denn er hat irgendetwas mitgebracht und das hat die Leute in den Wahnsinn getrieben. Und als ob das nicht genug gewesen wäre, stellten wir schon bald fest, dass auch die Toten wieder mitmischen wollten. Gottverdammte Zombies, sag ich euch! Was das mit euch zu tun hat? Nun, ihr habt euch freiwillig gemeldet um euren Beitrag zur Rückeroberung der Oberfläche zu leisten. Also dann, sucht eure Sachen zusammen, ladet eure Waffen durch und schickt noch ein Gebet zum Himmel, wenn ihr unbedingt müsst. Die TOTENSTADT erwartet euch!“
von Gunnar Sadlowski und Florian Müller
Illustrationen: Sebastian Kempke & Kristina Stroh
für 1-6 Spieler ab 16 Jahren
Dauer: 45-60min
Fazit: Was Blood n Brain da in Eigeninitiative auf die Beine stellen, ist echt cool! Und ich weiß gar nicht so genau, wo ich überhaupt anfangen soll! Bei dem Retro-Feeling, das sich direkt zu Beginn einstellt, wenn man das Spiel in einer Videokassetten-Hülle auspackt? Bei der Tatsache, dass man nicht nur ein Spiel bekommt, das man alleine oder aber mit bis zu 6 Spielern spielen kann? Bei der Feststellung, dass hier nicht nur ein 42-seitiges Regelwerk beiliegt, sondern auch 31 Papp-Marker, 50 Holz-Spielsteine, acht Würfel sowie 110 Karten, und alles passt in diese Hülle? Bei dem Hörspiel, was man dazu ebenfalls erstellt hat? Puh, hier gibt es echt viel zu erzählen.

Fangen wir mit dem Hörspiel an: Gunnar Sadlowski (Skript) und Matthias Brinck (Regie) schaffen hier ein 53-minütiges, kurzweiliges Hörspiel, das (ehrlich gesprochen) überraschend professionell klingt. Zwar ist es keine Europa-/Zaubermond-/Lübbe Audio-Produktion, das merkt man schon, aber verglichen mit anderen Hörspielen, die ich aus dem Eigenproduktion-Sektor gehört habe, geht das schon sehr gut ins Ohr! Das Sprecher-Ensemble (Omid Eftekhari, Matthias Brinck, Lena Schuler, Maelle Karwatzki, Jens Wendland, Jennifer Karle, Jörg Schuler, Sven Buchholz, Dirk Hardegen, Jan-Eric Mund, Dagmar Bösand, Frank Keiler, Larua Alvarez, Annkatrin Walter, Carmen Brinck) machen ihre Sache recht ordentlich, und so bekommt man einen guten Einblick in die Welt von TOTENSTADT. Inhaltlich ist es mehr ein Szenario als ein richtige Geschichte: Arthur ist mit seiner Frau Tessa und Tochter Marie unterwegs. Ihnen sind die Medikamente ausgegangen und sie suchen einen Außenposten. Da treffen sie auf „den Präsi“, der sie nach anfänglicher gegenseitiger Skepsis in seine Gemeinschaft und ihre Unterkunft bringt, wo Tessa zunächst ärztlich untersucht wird. Doch die allgegenwärtige Krankheit, die die Menschheit fast komplett ausgerottet hat, ist nur eines der vielen Probleme, die auf der Erde herrschen: Verrückte, Zombies, Mutationen… Und mit allem müssen sich Arthur und Co. in der knappen Stunde herumschlagen, um am Schluss mit einem mehr oder minder offenen Ende aufzuwarten.
Nachdem ich das Hörspiel gehört habe, hätte ich eigentlich viel mehr Lust darauf, TOTENSTADT als Pen&Paper-Rollenspielwelt zu erkunden, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Also stürze ich mich in das vorliegende Kartenspiel:

110 Spielkarten, 50 Spielsteine, 32 Spielmarker, 8 sechseitige Würfel und ein Regelwerk, damit ist die Videokassettenhülle ordentlich vollgestopft (und ehrlich gesagt muss man sich echt anstrengen, um alles wieder in die Packung zu bekommen), und entsprechend ist man auf eine ziemliche Ordnung angewiesen, um die ganzen Karten hinterher auch wieder sortiert zurück zu packen. So cool ich die Idee mit der Videokassette auch finde, alles in mir schreit nach einem Sortiersystem. Wir haben Söldnerkarten, Gegnerkarten, Boss Fähigkeitenkarten, Söldner-Gesundheitskarten, Gegner-Gesundheitskarten, Boss-Gesundheitskarten, Missionskarten, Waffenkarten, Rüstungskarten, Gegenstandskarten, Begleiterkarten, Ortskarten, Ereigniskarten, Taschenkarten, Bedingungskarten sowie eine Lärmkarte, also 16 unterschiedliche Karten, die in zwei Stapeln in der Verpackung untergebracht werden können.
Der Spielaufbau ist dafür dann relativ simpel. Jeder Spieler nimmt sich eine Söldnerkarte, eine Söldner-Gesundheitskarte, eine kleine Taschenkarte und eine große Taschenkarte. Gegner, Ereignisse und Begleiter werden zu einem Stapel gemischt, das ist der sogenannte Vorrat. Die Ausrüstung wird sortiert abgelegt, ein Stapel Waffen, einer Gegenstände und Rüstungen.
Jetzt wird die Mission gezogen und das Ziel der Mission als Ortskarte herausgesucht. Das Ziel ist es, die Mission erfolgreich zu erfüllen. Das Spiel wird in Phasen gespielt:
In der Startphase werden Karten in bestimmter Reihenfolge abgehandelt, die Statusphase prüft, ob irgendwelche Effekte die Söldner oder Gegner beeinflussen, dann folgt die Aktionsphase, in der jeder Söldner jeweils eine Aktion ausführen darf (Angriff, Verteidigen, Fähigkeit einsetzen, Position wechseln, Ausrüstung anlegen, Ausrüstung weitergeben, Ausrüstung fallen lassen, Flüchten, ausgeschaltet sein), danach folgt die Gegner-Aktionsphase mit nahezu identischen Möglichkeiten, danach kommt die Endphase, in der die Beute geprüft, Orte erkundet oder Begleiter mitgenommen werden können, und danach die Ruhephase, in der sich die Söldner erholen können, sich neu ausrüsten und Positionen wechseln können. bevor der große Showdown folgt, in dem ihr den Bosskampf bestreitet. Besiegt ihr diesen und es leben noch einer oder mehrere Söldner, so habt ihr gewonnen, könnt eure Söldner aufbessern und eine neue Mission beginnen oder auch die Söldner wechseln vor dem nächsten Einsatz. Oder ihr bemüht euch an dieser Stelle, die Karten und Marker wieder alle in die Schachtel zu pressen.

Was die Missionen betrifft, diese Mechanik hätte man sich fast schenken können: egal ob Boss-Jagd, Jagd, Rettung oder Erkundung, letztendlich geht es immer darum, die gesuchte Karte aufzudecken und dadurch einen Showdown-Kampf zu initiieren. Diese Showdowns können natürlich, nicht zuletzt durch die optionalen Boss-Showdownkämpfe, unterschiedlich kompliziert werden, aber das hätte man auch durch eine Zufallsauswahl aus Zielpersonen und Orten erreichen können.
Alles in allem spielt sich TOTENSTADT sehr flott von der Hand, sobald man den Rundenablauf erst einmal verinnerlicht hat, und wer mag, kann sich um die Missionen herum ja auch noch eine Storyline erdenken, hierbei spricht aber wohl mehr mein Pen&Paper-Fanboy-Herz.