„Sammelt eure Truppen und stellt euch dem Bösen entgegen! Sobald sie aus den Tiefen von Schloss Karak ans Tageslicht traten, mussten die Helden feststellen, dass das Böse noch lange nicht besiegt war. Ganz im Gegenteil: Dieses Mal würde die Macht ihrer Waffen allein nicht ausreichen. Eine ganze Armee muss ausgehoben werden, um den dunklen General zu bezwingen!
Karak 2 ist der eigenständige Nachfolger des preisgekrönten Familienspiels Karak – und du kannst es in vollen Zügen genießen, auch wenn du das Originalspiel nicht kennst! Jeder Spieler schlüpft in die Rolle eines einzigartigen Helden, während ihr die Landschaft rund um die Burg Karak erkundet, gegen Monsterarmeen kämpft und Ressourcen sammelt, um eure Stadt auszubauen und neue Truppen auszubilden, die euren Helden bei der Bewältigung ihrer Aufgaben helfen.
von Petr Miksa & Roman Hladik
für 2-5 Spieler ab 10 Jahren
Dauer: ca. 45min
Fazit: KARAK 2 setzt zeitlich genau da an, wo der erste Teil endet. Was jetzt nach einer Kaufhürde klingt für alle, die den ersten Teil nicht kennen, können wir aber beruhigen: Ein kurz gefasster „Was bisher geschah“-Teaser ist eigentlich nicht einmal notwendig, denn auch beim ersten Teil gibt es nicht wirklich eine große Story. Heldencharaktere begeben sich in einen Dungeon, suchen nach Schätzen, verbessern ihre Ausrüstung und treten zum Schluss gegen den großen Drachen an…
Nun denn, irgendwann muss auch der mächtigste Drachentöter wieder aus der Höhle heraus kriechen. Doch was ist in der Zwischenzeit an der Erdoberfläche geschehen? Horden von Monstern haben das Land überrannt, und eure Aufgabe ist es, den dunklen General zur Strecke zu bringen, der hinter all dem steckt.
Hierfür müsst ihr nicht nur euren Helden wieder auf Vordermann bringen und seine Ausrüstung optimieren. Das wird diesmal nicht ausreichen, um die Mächte des Bösen zu bezwingen. Heute gilt es, eine ganze Armee um sich zu scharen, die mit euch gemeinsam den Kampf aufnimmt.

Karak 2 spielt sich grundsätzlich ähnlich wie schon sein Vorgänger. Ihr habt eine begrenzte Bewegungsreichweite, deckt Hexfelder auf, um die Gegend zu erkunden, bekämpft Monster und freut euch im Anschluss über die gemachte Beute. Die spielbaren Charaktere haben erneut unterschiedliche Spezialfähigkeiten, was dem ganzen Unterfangen eine gewisse Abwechslung verschafft, unterm Strich wird aber kein Charakter ausreichend stark werden, um ohne Truppenunterstützung den dunklen General zu besiegen.

Hierzu wurde ein kleines Farming-Element mit ins Spiel integriert. Ihr sammelt Rohstoffe, mit denen ihr dann in Städten und Gehöften Infanterie und Artillerie ausheben könnt. Insgesamt könnt ihr sechs spezielle Bauwerke freischalten, die euch unterschiedliche Vorteile bieten, und je mächtiger die Feinde sind, mit denen ihr euch anlegt, umso mächtiger ist auch euer Einfluss auf die Truppen, sodass ihr mehr Gefolgsleute haben könnt.

Die neue Spielmechanik peppt das bekannte Spielsystem von KARAK ein wenig auf, jedoch bleibt nun der bittere Beigeschmack, dass man als Held selbst nur bedingt Einfluss auf den Ausgang des Kampfes hat, denn im Vergleich zum Vorgänger ist es ungemein schwer, eine annähernd hinreichende Bewaffnung zu finden, um im Kampf zu bestehen. Hier wird dann am Schluss die gesamte Drecksarbeit von den Truppen erledigt, die euch folgen.
Was ich mir gewünscht hätte, wären ein paar knackigere Zwischengegner und damit einhergehend größere Belohnungen. Hier wurde tatsächlich ein wenig die Entscheidungsfreiheit des Spielers beschnitten, denn nur, wer eine Armee aufstellt, hat auch realistische Chancen, das Spiel zu gewinnen. Hier wäre durchaus spannend gewesen, wenn man dem Spiel auf irgendeine Weise die asynchrone Balance verpasst hätte, sowohl mit schwachem Helden und Armee, als auch mit starkem Helden ohne Armee zu bestehen.
Optisch ist das Spiel genauso stark wie schon sein Vorgänger. Die Heldentableaus sind etwas größer geworden, um die bereits erbauten Gebäude zu markieren, und die „Burgzinne“ wird von der Stufen-Skala verziert, die angibt, wie viele Truppen ihr maximal beschäftigen dürft. In der Standard-Variante gibt es erneut Pappaufsteller eurer Figuren, die über die Hexfelder bewegt werden, es gibt aber auch erneut gegen Aufpreis kleine Miniaturfiguren, die ein viel besseres Immersionsgefühl aufkommen lassen.
Ist Karak II jetzt ein absoluter Pflichtkauf? Wer mit Teil 1 zufrieden war, wird sicherlich auch die tollen Seiten am Nachfolger erkennen. Zugegeben, ein wirklich neues Spielgefühl kommt nicht auf, dafür ist der Rundenablauf aber ein wenig komplexer und somit das Brettspiel an sich „mit seinem Klientel“ gewachsen. Die neue Mechanik mit dem Ressourcen-Management fühlt sich nicht als künstlich aufgestülpt an, sodass man von einer moderaten Weiterentwicklung sprechen könnte. Puristen werden sicherlich bei Teil 1 bleiben, wem dieser aber inzwischen zu eintönig geworden ist, der macht hier nichts verkehrt! Viel Spaß beim Wiederaufbau des Landes und der Sicherung vor dem dunklen General!
