„Eine unnatürliche Kälte breitet sich im Lande Andor aus. Die Helden machen sich auf die Suche nach dem Ursprung dieser magischen Bedrohung. Dabei führt sie ihr Weg in ein noch nie zuvor gesehenes Land, weit im Osten. Auch hier erwartet sie eine große Schneelandschaft. Auf ihren Abenteuern kommen sie dem Geheimnis der „Ewigen Kälte“ immer näher, bis sie schließlich einem unfassbar starken Gegner gegenüberstehen!
Nur gemeinsam seid ihr tapfer genug, euch dieser dunklen Gefahr entgegenzustellen.“
von Michael Menzel
für 2-4 Spieler ab 10 Jahren
Dauer ca. 60-90min
Fazit: Im Lande Andor ist der Winter eingekehrt. Alles dreht sich um die Kälte, die vom Land Besitz ergriffen hat, ausgehend von dem Winterstein, von dem ihr zunächst denkt, dass es das Beste wäre, ihn zu vernichten.
Auch mit dem vierten Teil aus der Reihe „Die Legenden von Andor“ gibt es spielmechanisch höchstens Veränderungen in Nuancen. So spielt die Kälte nicht nur spielbestimmend optisch eine Rolle, sondern bewirkt auch Verstecke im Schnee, Schneestürme welche eure Charaktere auf der Karte ungewollt bewegen, Vorteile durch brennende Lagerfeuer beim Kampf etc. Was geblieben ist, ist das bewährte Zeitmanagement mit den Stundenschritten, welche den Tagesablauf simulieren, sowie das Voranschreiten der Story durch die Erzähler-Figur, welche nach jedem erfolgreichen Kampf, nach jedem beendeten Tag und auch sonst nach besonderen Ereignissen ein Feld weiter gestellt wird. Habt ihr die Missionsziele nicht innerhalb der vorgegebenen „Zeit“ (also maximale Rundenanzahl abzüglich Anzahl getöteter Gegner gelöst, gilt die Legende als gescheitert und ihr könnt es direkt noch einmal versuchen.
Ebenfalls bewährt: die gegnerischen Horden greifen die Helden nicht an, sondern umgekehrt. Die Monster wollen doch lediglich mehr oder weniger alle ebenfalls ins Warme, daher ziehen sie die Burg der Wildnis vor und würden alles tun, um dort einzukehren.

Die vier vorliegenden Legenden haben erneut Überraschungsmomente für euch parat, die es teilweise in diesen Momenten unmöglich machen, noch einen positiven Ausgang der Legende herbeizuführen, weil euch im Vorfeld die Aktionen ausgehen werden oder ähnliches.
Die Idee dahinter ist, dass ihr „aus diesen Fehlern klüger hervorgehend“ die Legende noch einmal spielt und diesmal wisst, worauf zu achten ist.
Mich persönlich frusten genau diese Spielmomente sehr, weil ich auch mit vorsichtiger Planung und einem guten Würfelglück beim Kämpfen dadurch ggf. in die Situation komme, dass ich vermeintlich alles richtig und geradezu perfekt geplant und auch ebenso durchgeführt habe, und dennoch nichts am Ende funktioniert, weil es in dieser bestimmten Legende zum Beispiel nur funktionieren kann, wenn man manche Bestien ohne Kampf einfach in die Burg marschieren lässt (hier sträubt sich mein Rollenspieler-Verstand gegen, denn wer alles gut vorbereitet und auch fehlerfrei durchgeführt hat, sollte nicht wegen Railroadings dann doch noch verlieren),

Nach vier Legenden, man ist gerade erst richtig warm geworden (Achtung, Karlauer), ist dann leider schon wieder Schluss, auch wenn die Story uns direkt vermittelt, dass es bei den Legenden von Andor weiter gehen wird.
Was gibt es noch zu sagen? Das Spielmaterial ist erneut komplett wertig und überzeugend, für eine bessere und schnellere Sortierung gibt es einen passend vorbereiteten und ebenfalls in kaltem Blau gestalteten Stegsatz, den man sich in den Umkarton einstecken kann, um ein Gefache zu erhalten, in dem die Figuren und Marker alle gut einsortiert werden können. Das Spiel funktioniert erneut kooperativ ohne Spielleitung, ihr könnt zu zweit, zu dritt oder zu viert spielen (oder aber auch 2-handed Solo), denn sämtliche Bewegungen der Monster sind reguliert und die Story wird ebenfalls durch eine Mechanik vorangetrieben.
Die Ewige Kälte spielt sich als eigenständiges Hauptspiel, Vorwissen in der Story ist nicht zwingend erforderlich, und ebenso wenig müsst ihr auch nur einen anderen Teil der Reihe bereits besitzen. Es schadet zwar nicht, wird aber nicht vorausgesetzt oder gar verlangt. Deswegen trägt das Spiel auch den Untertitel „Der Beginn einer neuen Ära“.
Wer auf kooperative Spiele mit klarem Schwerpunkt auf der Story hat, der ist hier sehr gut aufgehoben. Kommt ihr mit unplanbaren Überraschungen in einem Brettspiel nicht klar, solltet ihr dagegen vielleicht euren Einkauf überdenken und lieber einen anderen, geradlinigeren Dungeoncrawler nutzen, der euch nicht unvorbereitet auf bestimmte Situationen erwischt.
