Schakale – Bronzezeitliches Fantasy-Rollenspiel (100 Questen Gesellschaft e.V.)

„SCHAKALE ist ein Rollenspiel des Genres ‚Schwert und Magie‘, angesiedelt in der Bronzezeit in Zaharets, dem ‚Land der Erhebungen‘, und inspiriert durch die Mythen, Kulturen und die Geschichte des antiken Nahen Ostens und von solchen Werken wie der Ilias, dem Gilgamesch-Epos und dem Alten Testament. Das Land ist voller monströser Kreaturen, grausamer Tiermenschen und den Ruinen alter Zivilisationen, die zuvor hier existierten. Spielt als Schakale – mächtige Krieger und kluge Ritualisten, die von der Bevölkerung gleichermaßen begrüßt werden, wie sie ihnen misstraut – und enthüllt die Geheimnisse der Vergangenheit, stellt euch den Mächten des Chaos entgegen und hinterlasst euren Fußabdruck in der Geschichte.“

von John-Matthew DeFoggi
Titelbild & Illustrationen: John McCambidge
Karten: Randy Musseau
Übersetzung und Layout: Lutz Reimers
Korrektorat: Olli Raßenhövel

Fazit: Ich spiele jetzt schon so lange Rollenspiel, dass ich an einem Punkt angekommen bin, wo ich mich bei neuen Spielsystemen immer frage, worin der Mehrwert im Vergleich zu anderen Systemen steht. Zu Beginn meiner Reise in dieses unglaublich spannende und vielseitige Hobby war es immer zuerst das Setting, was mich gereizt hat, und das Regelwerk dahinter war fast egal, denn man konnte sich ja mit allem irgendwie anfreunden, und was zu sperrig war, wurde halt mittels Hausregeln vereinfacht. Nachdem man dann eine Vielzahl von Settings gesehen hatte, waren es die unterschiedlichen Regel-Systeme, die hinter den Settings standen, dann die Kombinationen aus beidem. Als nächstes war der Wunsch groß, ein Open-World-Szenario zu haben, in dem man sich komplett frei entfalten konnte, ohne dabei selbst vorab eine ganze Welt erschaffen zu haben. Und dann war da irgendwann auch noch der Wunsch, am liebsten völlig frei von Proben und Regeln spielen zu können.

Ich bin immer wieder begeistert davon, neue Welten zu erkunden, neue Geschichten zu hören, und das ist es, was mich auch weiterhin bewegt. Dass Schakale also ein W100-Regelwerk hat, bei dem ihr über eure Attribute (Stärke, Geschicklichkeit, Konstitution, Mut, Weisheit, Mana) eine prozentuale Wahrscheinlichkeit definiert, die bei einer Probe unterwürfelt werden muss und deren Wurf durch die definierte Schwierigkeit einen Bonus oder Malus erhält, sei hier daher fast nur als Randnotiz bemerkt. Der Vorteil eines W100-Systems: Man weiß sehr genau, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, eine bestimmte Probe zu schaffen, und dadurch ist das gesamte System intuitiv greifbar.

Das Magiesystem ist mit insgesamt „nur“ 36 unterschiedlichen Zaubern überschaubar (und man hat als Zauberkundiger auch nicht Zugriff auf alle 36 Sprüche, sondern nur auf die seiner eigenen kulturellen Tradition, sofern man sich nicht dem Verdrehten Pfad widmet, der eine böse, chaotische Form der Magie darstellt).

Das Setting ist in etwa wie folgt: Man weiß nicht genau, was passiert ist, aber an irgendeinem Punkt hat die Menschheit die Kontrolle verloren. Jahrelang waren die Menschen versklavt von Tierwesen, bis sie irgendwann eine große Revolution anstachelten und sich befreiten. Auf dem technischen Stand vergleichbar mit der Bronzezeit gibt es verlassene Ruinen, in denen sich Werkzeuge, Warren und Rüstungen finden lassen, die einem besseren Standard entsprechen und darauf schließen lassen, dass es der Menschheit schon einmal besser ging. Natürlich haben sich die Tierwesen nicht vollständig zurückgezogen, und somit herrscht eine allgegenwärtige Gefahr. Ihr übernehmt die Rolle von Schakalen, solchen Menschen, die außerhalb der gesellschaftlichen Ordnung ausziehen, um diese verlassenen Orte zu finden, die Bedrohungen von außen fernzuhalten und euer Leben zu riskieren. Ihr seid Außenseiter, die sowohl für ihren Mut und ihre Dienste geliebt werden, die aber auch eine Aura des Schicksals mit sich tragen und dadurch von der Gesellschaft gemieden werden, wo es nur geht.

Was ist nun also das Besondere an SCHAKALE? Die Antwort darauf mag geradezu simpel klingen:
auf kompakten 150 Seiten bekommt ihr hier ein Komplettpaket für gerade einmal 35.- Euro. Die Welt von Kalypsis fühlt sich durch die bereits im Klappentext benannten Referenzen bekannt an, ohne dabei langweilig zu sein (denn Bronzezeit-Rollenspiele gibt es nun wirklich noch nicht so viele auf dem Markt), ihr erhaltet ein komplettes Regelwerk inklusive Charaktererschaffung, eine Weltenbeschreibung mit unterschiedlichen Kulturen, eine ausreichende Anzahl an Zaubern für ein abwechslungsreiches, aber nicht überfrachtetes Magiesystem, ein komplettes Kreaturenverzeichnis, das zwar nicht vollständig bebildert ist, aber zumindest bei den phantastischen Gegnern, die eine Art Alleinstellungsmerkmal haben und nicht aus 50 anderen Regelwerken bekannt sind, mit einer bildlichen Darstellung daherkommen.
Zudem gibt es drei kurze Einstiegsabenteuer, mit dem ihr direkt starten könnt, nachdem ihr eure Charaktere erstellt habt. Damit das schnell vonstatten geht, habt ihr am Buchende noch eine Zusammenfassung für die Charaktererstellung.

Ein weiteres, nicht zu verachtendes Argument für SCHAKALE lautet: das Regelwerk ist insgesamt noch recht jung. Neben dem Grundregelwerk gibt es aktuell noch „Der Fall der Kinder der Bronze“, ein Kampagnenband mit 14 Abenteuern, die sich über einen Zeitraum von 9 Jahren erstrecken, zwei kostenlose Promo-Abenteuer, die ihr bei einer Bestellung des Regelwerks oder beim Besuch eines Messestands erhalten könnt, und dem Quellenbuch „Reisende auf der Straße des Krieges“, in dem ihr einen tieferen Einblick in die Welt von Kalypsis und ihre Kulturen erhaltet, zusätzliche Zauber und weitere optionale Regeln sind dort ebenfalls enthalten. Mehr gibt es im Original-englischen Regelwerk nicht, und dadurch seid ihr mit unter 100.- Euro in eurer Sammlung vorerst komplett.
Übrigens ist das Original-Regelwerk in einem kleineren Format erschienen und wurde von der 100 Questen Gesellschaft e.V. auf ein ansehnliches (und auch die Gewohnheiten der meisten Spieler ansprechendes) A4-Format gebracht.
Viel Spaß bei der Erkundung einer Welt, die bei weitem noch nicht gänzlich erforscht ist.