“1943. Ihr seid eine Elite-Kommandoeinheit von Vampir:innen im von Nazis besetzten Paris. Eure Mission: Hitler austrinken.
EAT THE REICH ist ein rasantes, hochintelligent und extrem brutales Rollenspiel von Grant Howitt (Spire) mit Illustrationen von Will Kirkby (Critical Role, Dark Horse, Space Sstation Zero).
Dieses Buch enthält alles, was ihr braucht, um sofort loszulegen, darunter:
– Sechs wunderschöne vorgefertigte Charaktere, bereit, ein paar Faschisten zu schnetzeln.
– Einen ungenauen Stadtplan von Paris.
– Mehrere Bataillone von Nazi-Gegnern – darunter Scharfschützen, Fallschirmjäger, gepanzerte Infanterie, Panzer und Mumien.
– Vier übergefährlich überbewertete Übermenschen, vollgepumpt mit magisch verstärktem Blut.
– Leicht zu lernende Regeln, die cineastische Action, Kreativität und gemeinsames Geschichtenerzählen in den Mittelpunkt des Spiels rücken.
– Umfangreiche Safety-Tools und Hinweise für das Spielen mit Nazis – selbst wenn ihr jeden einzelnen, dem ihr begegnet, ausbluten lasst.„
72 Seiten Softcover
Grafik: Will Kirkby
Text: Grant Howitt, James Mendez Hodes
Übersetzung: Oliver Hoffmann
Produktion und Korrektorat: Jan Helke
Lektorat: Mel Helke
Fazit: EAT THE REICH versteht sich als One-Shot-Abenteuer, das ihr aber nicht zwingend an einem Abend durchpreschen müsst, ihr könnt euch auch 2-3 Abende dafür Zeit nehmen. Wichtig ist aber, dass euch bewusst ist: sobald das Spiel beginnt, befindet ihr euch bereits im „Endkampf“. Hier ist nicht der richtige Ort oder die richtige Storyline, um großartig Charaktere zu entwickeln, Taktiken zu entwerfen und auszutesten oder auch engere Beziehungen mit Nichtspielercharakteren einzugehen. Eure Aufgabe ist recht simpel zusammengefasst: findet Hitler und löscht ihn aus. Dies ist ggf. auch ein Himmelfahrtskommando, wobei: werdet ihr überhaupt in den Himmel kommen? Denn ihr spielt Vampir:innen, die mit ihren übermenschlichen Fähigkeiten vielleicht die letzte Option sind, um die feindlichen Linien zu durchbrechen und das zu tun, was den Krieg schlagartig beenden könnte.
Bevor ich auf die „technischen“ Details eingehe, eine kurze Anmerkung: das Spiel nimmt sich selbst augenscheinlich nicht ganz so ernst, hier geht es um überzeichnete, brutale Gewalt, um eine alternative geschichtliche Darstellung, darum, kurzweilig Spaß an dieser Gewaltorgie zu haben. Allein der abgefahrene Grafikstil ist preisverdächtig und gibt einen guten Hinweis, auf welche Art man das Spiel und die Handlung überzeichnen kann. Bei all diesem brutalen Unfug, der so auch in der Serie „The Boys“ stattfinden könnte, achten die Macher aber dennoch darauf, auf bestimmte Dinge hinzuweisen: Nazis sind keine guten Menschen, weder damals noch heute, und es ist nicht notwendig, in irgendeiner Form Rücksicht zu nehmen. Diese politische Botschaft wird immer wieder unterstrichen. Zudem ist es den Storypunks wichtig, dass das Regelwerk Gender-korrekt übertragen wurde. Aus Respekt hiervor versuche ich, auch diese Rezension entsprechend zu gendern, sollte mir doch etwas durchrutschen, bitte ich um Verzeihung.
88 Cent (ist der Betrag eigentlich Zufall?) aus dem Verkauf jedes Regelwerks gehen übrigens als Spende an die Organisation „Kein Bock auf Nazis“!

Entgegen anderer Rollenspielsysteme hat EAT THE REICH zunächst einmal nicht vorgesehen, dass ihr eigene Charaktere erstellt, stattdessen liefert es fünf vorgefertigte Charaktere: Iryna, eine Okkultistin, Nicole, eine Sprengstoffexpertin, Cosgrave, ein Nekromant, Chuck, ein Cowboy, Astrid, eine Kampfpilotin, und Flint, ein Mischwesen aus Mensch und Fledermaus. Alle Charaktere können natürlich auch in einer anderen Geschlechtsvariante gespielt werden, nur Flint ist, naja, Flint eben!
Sobald ihr euch entschieden habt, werdet ihr buchstäblich in die Action geschmissen. Von hier aus ist eure Aufgabe, durch die drei Zonen um Hitlers letzte Zuflucht in Paris zu gelangen.
Die Regeln sind recht simpel: jeder Charakter verfügt über unterschiedliche Werte in den Bereichen Raufen, List, Reparieren, Suchen, Schuss, Leise und Terror. Der jeweilige Wert zwischen eins und vier gibt die Anzahl an W6 an, die ihr für eure Aktionen verwenden dürft. Dieser Pool kann noch durch Ausrüstung oder Spezialfähigkeiten erhöht werden.
Im Spiel müsst ihr eine Reihe von Zielen abarbeiten, die mit den Werten Zielwert, Bedrohung und Angriff definiert sind. Zum Beispiel könntet ihr irgendwo eindringen sollen. Je nach Schwierigkeit ist der Zielwert höher oder niedriger. Die Bedrohung könnte sein, dass das Gebäude von Soldaten bewacht wird, dargestellt durch einen bestimmten Bedrohungswert, und diese Soldaten schießen natürlich auf euch mit ihrem Angriffswert.
Nun würfeln beide Parteien ihren Würfelpool (die Gegner mit Anzahl Angriffswert W6). Alles über einer 3 ist ein Erfolg, bei den Spieler:innen zählt die sechs sogar als kritischer Erfolg (steht also für zwei Erfolge).
Diese erfolgreichen Würfel können nun zugeordnet werden, um zum Beispiel die Angriffserfolge der Bedrohung mit einem Verteidigungswürfel abzublocken und damit Schaden zu verhindern, die Bedrohung zu eliminieren oder dem eigentlichen Ziel näher zu kommen.

Habt ihr eine Bedrohung ausgeschaltet, indem ihr sämtliche Bedrohungspunkte beseitigt habt, müsst ihr übrigens mit Verstärkung rechnen, sodass ihr eigentlich nie zur Ruhe kommt oder mal durchatmen könnt (müssen Vampir:innen überhaupt zur Ruhe kommen oder durchatmen?!?).
Habt ihr bei eurem Würfelwurf mal so richtig daneben gelegen, könnt ihr mittels einer kurz eingespielten Rückblende den Wurf erneuern. Hierzu wird ein Ereignis aus der Vergangenheit hervorgeholt, mit dessen Hilfe argumentativ erklärt werden kann, warum dieser Wurf eigentlich gar nicht so schlecht hätte sein dürfen…
Im Buchbereich der Spielleitung werden euch Tipps an die Hand gegeben, wie ihr das Spiel lebendig (oder meinetwegen auch untot) und das Spieltempo hoch halten könnt.
Eine stilisierte Karte von Paris hilft euch dabei, die einzelnen Sektoren zu planen (hier haben sich bei den Seitenzahlen zu den einzelnen Abschnitten leider in der finalen Formatierung Fehler eingeschlichen, sodass die tatsächlichen Seitenzahlen immer um 1-2 Seiten abweichen, was aber nicht weiter tragisch ist, in der PDF ist dies zudem bereits korrigiert). Insgesamt bietet das Buch 18 Ziele, die ihr aber nicht alle abgrasen müsst, hier stehen lediglich Optionen zur Verfügung.
Die größte Bedrohung, die euch begegnen kann, sind die sogenannten Übermenschen aus Hitlers Armee, übernatürlich verstärkte Kampfeinheiten, die alle individuell auf ihre Art gefährlich sind und euch durchaus zum Problem oder Verhängnis werden können. Die Präsenz eines Übermenschen wird durch die Spielleitung angezeigt durch besondere Formulierungen bei der Beschreibung des Sektors, sodass schnell klar wird, dass hier irgendwas im Busch ist.
Hitlers Abgang? Der soll kurz und schmerzvoll sein. Das Buch sieht nicht vor, ihm einen Abschluss-Monolog halten zu lassen. Wenn ihr ihn seht und keine weitere Bedrohung mehr im Raum ist: zerfetzt ihn. Keine Gnade, keine unmoralischen Angebote. Damit soll das Spiel enden. Ein kurzer Epilog seitens der Spielleitung erzählt dann, was die Charaktere danach anstellen… Oder habt ihr noch nicht genug?
Zum Abschluss bietet EAT THE REICH noch ein paar Anregungen, wie man mit denselben Charakteren und unter Verwendung derselben Regeln die fiktive Welt aus EAT THE REICH noch weiter verbessern kann… Ein „Abstecher“ zu Mussolini? Hirohito ebenfalls aussaugen? Habt ihr das Spiel durch, wisst ihr, wie der Hase läuft und könnt bei Bedarf selbst kreativ werden… Sollten euch die vorgefertigten Vampir:innen ebenfalls nicht genug sein, findet ihr im Klappentext noch die Option, wie man seine eigenen Untoten Held:innen generieren kann.
Wenn ihr also schon immer mal Bock darauf hattet, das Dritte Reich eigenhändig zu beenden, ist EAT THE REICH genau das Richtige, um eurem Blutdurst gerecht zu werden. „This game sucks!“, und zwar im absolut positivsten Sinn, den ihr euch vorstellen könnt.
